Konjunktur im Handwerk bleibt auf Kurs

Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel; 1. Quartal 2018

Die Konjunktur im nord-, ost- und mittelhessischen Handwerk läuft weiterhin rund. Auch wenn es aufgrund witterungsbedingter Beeinträchtigungen Bremseffekte gab, bleibt die Stimmung ausgesprochen gut. „Trotz der aktuellen geopolitischen Risiken, drohendem Handelskrieg und Zinswende erwartet das Handwerk eine Fortsetzung der guten Konjunktur. Die Auftragsbücher sind voll und die Auftragseingänge steigen schon wieder“, kommentierte der Präsident der Handwerkskammer Kassel, Heinrich Gringel, die aktuelle Frühjahrsumfrage, die heute in der Domino Friseur & Shop GmbH & Co KG in Marburg präsentiert wurde.

Im Befragungszeitraum Januar bis März bewerteten 41,8 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut“, weitere 46,4 Prozent mit „befriedigend“. Lediglich 11,8 Prozent vergaben eine schlechte Note. Gegenüber dem guten Frühjahrsquartal des Vorjahres waren das noch einmal weitere Verbesserungen. Auch die Geschäftserwartungen bleiben sehr zuversichtlich: Für das kommende Quartal erwarten 30,9 Prozent eine weitere Verbesserung der Lage und 61,5 Prozent gleichbleibende Geschäfte. Das Geschäftsklima ging saisonal bedingt etwas zurück, bleibt aber auf hohem Niveau (aktuell: 126,6 Punkte).

„Die Betriebe erwarten für den weiteren Jahresverlauf gute Geschäfte. Die private, gewerbliche und öffentliche Nachfrage wird sehr positiv eingeschätzt, allerdings gibt es Niveauunterschiede in den einzelnen Handwerksgruppen“, berichtete Gringel weiter. Angetrieben wird die gute Konjunktur nach wie vor vom gesamten Baugewerbe und den industriellen Zulieferern. Hohe Zufriedenheitswerte gab es auch im Gesundheits- und Nahrungsmittelgewerbe, während das Kfz-Gewerbe und das private Dienstleistungsgewerbe hinterherhinken.

Auftragsbestände weiter gewachsen, saisonale Abschwächung bei Umsatz und Aufträgen
Die Auftragslage in den Betrieben kann sich mehr als sehen lassen: Durchschnittliche Auftragsreichweiten von 8,7 Wochen meldeten die Betriebsinhaber Ende März. Das waren noch einmal 1,1 Wochen mehr als vor Jahresfrist. Im Baugewerbe meldeten die Betriebe Auftragsreichweiten von über zehn Wochen. Die Ordereingänge waren dagegen saisonal bedingt rückläufig, aber auch hier ist wieder eine Wende in Sicht, denn jeder dritte Umfrageteilnehmer erwartet für das kommende Quartal steigende Auftragseingänge.

Die Umsätze der Betriebe waren wegen der kalten Jahreszeit ebenfalls nach unten gerichtet, blieben aber auf weiterhin hohem Niveau: 35 Prozent der Umfrageteilnehmer beklagten in den ersten drei Monaten Umsatzeinbußen, bei 16,4 Prozent der Unternehmen gab es weitere Steigerungen und 48,6 Prozent berichteten über keine Veränderungen. Zufriedenheit gab es ebenfalls hinsichtlich der Produktionskapazitäten, jeder vierte Betrieb im Baugewerbe war sogar voll ausgelastet. Die durchschnittliche Betriebsauslastung im Gesamthand-werk lag bei 76,7 Prozent (Vj: 75,8 Prozent).

Entwicklung der einzelnen Handwerksbranchen:
Bauhauptgewerbe: Die Konjunkturlokomotive (neben dem Ausbaugewerbe) konnte trotz der kalten Jahreszeit weiter zulegen (Geschäftsklima: 143,9 Punkte). Die Auftragsreichweite stieg auf über 10 Wochen. Nur 5,3 Prozent klagen über eine schlechte Geschäftslage.

Ausbaugewerbe: Hohe Zufriedenheitswerte auch im Ausbaugewerbe. Private Investitionen in Aus- und Neubau stärken die Betriebe. Das Geschäftsklima lag bei 135,9 Punkten. 93 Prozent waren mit ihren aktuellen Geschäften zufrieden.

Gewerblicher Bedarf: Weiterhin gute Geschäfte auch bei den industriellen Zulieferern (GK: 135,1 Punkte). Sie profitieren von der anhaltend hohen Industrieproduktion. Hohe Auftragseingänge kennzeichneten das Quartal.

Kfz-Gewerbe: Die Betriebe zeigten sich nach wie vor unzufrieden. Allerdings mit Trend nach oben, Belebungen sind spürbar. Das Geschäftsklima betrug 108,7 Punkte. Immer noch beklagte knapp jeder fünfte Betrieb über schlechte Geschäfte.

Lebensmittelgewerbe: Viel Zufriedenheit auch bei den Bäckern und Fleischern, deutliche Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr. Mit einem Geschäftsklima von 122,7 Punkten im guten Durchschnitt der Branchen.

Gesundheitsgewerbe: Nach wie vor gute Geschäfte (GKI: 135,7 Punkte) und rege Umsätze. 90 Prozent berichteten über eine gute bzw. befriedigende Geschäftslage, hohe Erwartungen an das kommende Quartal.

Personenbezogene Dienstleistungen: Mit einem Geschäftsklima von 99,7 das Schlusslicht aller Branchen. Doch bei Friseuren, Fotografen und Kosmetikern herrscht nach wie vor großer Konkurrenzdruck. Knapp jeder Vierte berichtete über schlechte Geschäfte. Erwartungen aber nach oben gerichtet.

Hintergrund: Vierteljährlich befragt die Handwerkskammer Kassel ca. 860 reprä-sentativ ausgewählte Betriebe aus Nord-, Ost- und Mittelhessen zur aktuellen Kon-junkturentwicklung. Dabei werden sowohl weiche Indikatoren (z. B. Geschäftslage-einschätzung) als auch harte Indikatoren (Auftragseingänge, Umsätze, Beschäftigte, Investitionen u. a.) abgefragt. Das Geschäftsklima errechnet sich aus dem Mittel-wert der Umfrageergebnisse zur Geschäftslage und zu den Erwartungen.

Das Handwerk im Kammerbezirk Kassel beschäftigt ca. 91.500 Mitarbeiter in über 16.100 Betrieben, bildet ca. 7.300 junge Menschen aus und erwirtschaftet einen Um-satz von 8,8 Milliarden Euro.

Kontakt:

Handwerkskammer Kassel
Dr. Matthias Joseph
Öffentlichkeitsarbeit, Volkswirtschaft
Postfach 10 16 20
34016 Kassel
Telefon 0561 7888-166
matthias.joseph@hwk-kassel.de


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